Coburg überholt die Landeshauptstadt München

Laut aktuellem Deutschland-Check des Nachrichtenmagazins Focus gehört Coburg zu den stärksten Städten Deutschlands

Bezogen auf die Einwohnerzahl ist Coburg mit Abstand die steuer- und umlagestärkste kreisfreie Stadt in Bayern. Sie liegt vor der Landeshauptstadt München. Coburg und München sind die beiden einzigen kreisfreien Städte in Bayern, die vom Land weder staatliche Schlüssel- oder Bedarfszuweisungen, noch Stabilisierungshilfen erhalten. Alle diese Fakten belegten die Spitzenposition der Vestestadt im nationalen Vergleich.

Der OB dankte allen Unternehmen, die Coburg "zu guten Gewerbesteuereinnahmen und gut bezahlten Arbeitsplätzen für unsere Bürgerinnen und Bürger in der Stadt und für eine fünfstellige Einpendlerzahl sorgen". Die Betriebe hätten in den vergangenen neun Jahren rund 200 Millionen Euro investiert "und damit ein Treuebekenntnis zum Standort Coburg abgelegt", sagte Tessmer. Dies verpflichte die Stadt, mit ihrer Wirtschaftsförderung weiterhin "gute Rahmenbedingungen zu schaffen", in dem "die Coburger Wirtschaft auch weiterhin gedeihen soll".

Vor diesem starken finanziellen Hintergrund erneuerte der Oberbürgermeister den Anspruch, dass sich Coburg als "Mittelpunkt zwischen Rennsteig und Obermain und zwischen dem Frankenwald und den Haßbergen für gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle, ökologische und politische Innovationen" entwickelt, "als eine Alternative zur Großstadt und zum Ballungszentrum", als hochindustrialisierter Standort, als "einer der wirtschaftlich stärksten Räume Europas".

Tessmer skizzierte die Aufgaben, die Coburg auf diesem Weg zu erledigen hat: den Erhalt einer attraktiven Innenstadt, die Übernahme der Vorreiterrolle bei der Digitalisierung in der Region, das Investieren in Bildung, Betreuung und Erziehung, die Bereitstellung von günstigen Wohnungen, die Förderung von Kunst, Kultur und Sport sowie das Ermöglichen von Leben und Wohnen im Alter. Der OB setzt dabei auch auf die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Coburg. Kooperationen seien auf vielen Feldern denkbar, um die Region voran zu bringen.

Wichtig war Norbert Tessmer der Hinweis, dass der Stadtrat den Haushalt mit einer breiten Mehrheit trägt. Der OB sprach von einem "Gemeinschaftswerk", das in einer guten, konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen allen Fraktionen, der Stadtspitze und der Verwaltung entstanden sei.

Trotzdem pochte Friedrich Herdan (CSU/JC) darauf, bei dem Geldsegen die Haushaltskonsolidierung nicht aus dem Blick zu verlieren. Denn man könne nicht davon ausgehen, dass die Steuerquellen der Stadt auch in der Zukunft so kräftig sprudeln wie in der jüngsten Vergangenheit. Auch Jürgen Oehm (CSU/JC) pochte auf Kostendisziplin und die Einhaltung von Budgets in den Ämtern der Stadtverwaltung. Zudem bezeichnete er die Schwerpunktsetzung bei Investitionen als "zwingend notwendig".

Das rief Bettina Lesch-Lasaridis (SPD) auf den Plan. "Wir haben eine gute Haushaltssituation, und die wird sich auch in den nächsten Jahren gut entwickeln." Sie sei es leid, "dass wir seit mindestens sechs Jahren unsere finanzielle Situation schlecht reden. Die Probleme, die andere Kommunen haben, kennen wir immer noch nicht." Sie bedaure, dass der Stadtrat in den vergangenen Jahren "nicht den Mut hatte, die wirklich zukunftsträchtigen Investitionen anzupacken". Denn damit stärke man das "gute und tolle Produkt Coburg", wo Menschen leben wollten und Unternehmen investierten. "Wenn wir das schaffen, haben wir immer eine gute Finanzlage, und dafür muss man Geld ausgeben", so Lesch-Lasaridis.

Kurt Knoch (CSU/JC) wollte das so nicht stehen lassen: "Wir müssen sparsam bleiben, auch wenn unsere Steuerquellen sprudeln. Sparen und investieren, das muss die Maßgabe sein." Christian Müller (CSB)stimmte dem grundsätzlich zu, warnte aber davor, kleinmütig zu werden: "Sparen ist eine feine Sache. Aber wir sollten uns abgewöhnen, dass wir mit einer Einsparung von 10 000 Euro für einen Schulbus unseren Haushalt sanieren können." Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha (CSU/JC) betonte, den Stadtrat zeichne aus, "dass wir alle versuchen, Coburg voranzubringen". Dabei müsse man allerdings auch darauf schauen, "was wir ausgeben können".

© NeuePresse-Autor: Wolfgang Braunschmidt